Kreuzbandriss

Kreuzbandriss beim Hund: Symptome und Behandlung

Hast du dir auch schon einmal Gedanken über die Knie deines pelzigen Freundes gemacht? Genau wie wir Menschen können auch Hunde mit Problemen in diesem Bereich konfrontiert werden, insbesondere mit einem Kreuzbandriss. Doch was bedeutet so ein Bänderriss eigentlich für unsere vierbeinigen Begleiter? Tierärztin Dr. Julia Vietmeier gibt Antworten.

Anatomie: Das Kniegelenk des Hundes im Blick

Das Kniegelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk aus einem Kniekehlgelenk und einem Kniescheibengelenk und wird durch verschiedene Bänder stabilisiert. Diese unterstützen die Muskeltätigkeit und haben im Gelenk des Knies eine gewisse Bremstätigkeit, besonders beim Beugen. Die Bänder verbinden Ober- und Unterschenkel.

Unterschieden werden Kreuzbänder (Ligamentae cruciata genus) und Seitenbänder: Dein Hund hat an jedem Knie zwei Kreuzbänder, ein vorderes und ein hinteres, die sich gekonnt kreuzen, um das Gelenk bei Rotation und Bewegung zu unterstützen.

Schon gewusst? Hunde haben eine ganz andere Stellung ihres Kniegelenks als wir Menschen. Mit einer 45-Grad-Stellung sind ihre Gelenke speziell angepasst, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Als Folge der Kniestellung beim Hund sind die Kreuzbänder, im Gegensatz zum Menschen, immer unter Spannung. Dies führt langfristig zu einer starken Belastung und zu Verschleiß (Langzeitdegeneration). Die Verletzung des Kreuzbandes ist beim Hund also weniger durch ein akutes Trauma bedingt sondern eher eine stetige Abnutzung und dann irgendwann ein Abriss.

Kreuzbandriss beim Hund – schmerzhafte Rupturen

Bei einem Kreuzbandriss oder einer Verletzung des Kreuzbandes (zählt zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund) kann dieses teilweise oder total gerissen sein, mit und ohne Meniskusschaden. Ein Meniskusschaden ist eher am inneren Meniskus zu finden.

In den meisten Fällen reißt das vordere Kreuzband, oft ist es zuerst ein Teilriss und später ein Totalabriss. Auf das vordere Kreuzband wirken deutlich mehr Hebelkräfte als auf das hintere Kreuzband, daher ist es eher von einer Ruptur gefährdet. Das hintere Kreuzband reißt eher aus traumatischen Gründen. Das vordere eher aus degenerativen Gründen. Das vordere Kreuzband des anderen Hinterbeines reißt häufig innerhalb der nächsten zwei Jahre. Das könnte auf die stärkere Belastung in der Schonhaltung zurückzuführen sein.

Hund mit Kreuzbandriss: die Symptome erkennen

Einige Symptome eines Kreuzbandrisses beim Hund sind denen von uns Menschen recht ähnlich. Stellst du diese oder ähnliche Anzeichen bei deinem Vierbeiner fest, solltest du zur Abklärung deinen Tierarzt aufsuchen:

  • plötzliches Hinken
  • Lahmheit nach dem Aufstehen (Anlauflahmheiten)
  • durch Schonhaltung verändertes Gangbild
  • Schmerzen beim Berühren des Knies
  • Schwinden der Muskulatur des betroffenen Beins (nach längerer Zeit)
  • Kniesitz mit Abspreizen der betroffenen Gliedmaßen

Ursachen eines Kreuzbandrisses beim Hund

Während ein Kreuzbandriss bei Menschen oft durch Traumata und akute äußere Einwirkungen entsteht (z. B. durch Fußball, Skifahren oder einen Unfall), ist ein Kreuzbandriss bei Hunden oft das Ergebnis einer Langzeitdegeneration, also durch Verschleiß und Abnutzung. Auch schnelle Rotationsbewegungen des Kniegelenkes in Kombination mit anderen Risikofaktoren können eine Ursache sein. Zudem tritt ein Kreuzbandriss oft auch in Folge einer Patellaluxation auf.

Risikofaktor Hunderasse

Es gibt bestimmte Hunderassen, die aufgrund ihrer Anatomie anfälliger für Kreuzbandrisse sind.

Dazu gehören Rassen wie:

Zudem besitzen

  • große Hunde,
  • Hunde mit steilem Knie (Die Gelenkstellung ist steiler, somit ist die Stoßdämpfung und die Biomechanik des Kniegelenkes nicht optimal und es erfolgen Fehlbelastungen),
  • Hunde mit wenig Muskulatur,
  • sehr aktive Hunde und
  • Hunde mit Übergewicht

ein erhöhtes Risiko für einen Kreuzbandriss.

Des Weiteren können auch Belastungsspitzen wie Ball- und Frisbeespielen ein Risikofaktor sein.

Schon gewusst? Zusätzlich neigen große Hunde eher dazu, bis zum 5. Lebensjahr betroffen zu sein, während kleinere Hunde eher jenseits des 9. Lebensjahres betroffen sind.

Diagnose und Behandlung bei einem Kreuzbandriss

Befürchtest du, dass dein Liebling einen Kreuzbandriss erlitten hat? Dann ist der Gang zu deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt unvermeidlich, um eine genaue Diagnose zu erhalten.

In der Praxis kommen spezielle Tests wie der Tibia-Kompressionstest oder Schubladentest zum Einsatz, um das Ausmaß der Verletzung festzustellen. Der Schubladentest ist eine spezielle Technik, in der der Tierarzt das Kniegelenk auf Spannung bringt um eine Instabilität, ausgelöst durch den Kreuzbandriss, zu erkennen. Dabei wird der Unterschenkel gegen den Oberschenkel geschoben. Dieser Test ist oft nur in Vollnarkose aussagekräftig. Auch Röntgenbilder und ein MRT können Gewissheit bringen. Oft ist aber die klinische Diagnose durch einen positiven Schubladentest ausreichend.

Kreuzbandriss-OP beim Hund – ein Muss?

In den meisten Fällen ist eine Operation unumgänglich, um eine dauerhafte Stabilisierung zu erreichen. Ein Hunde-Kreuzbandriss führt ohne OP in der Regel zu massiver Arthrose im Kniegelenk mit fiesen Schmerzen für deinen Liebling.

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier: “Bei sehr kleinen Hunden unter 5 kg ist es eventuell möglich ohne eine Operation, das muss aber individuell mit dem behandelnden Tierarzt entschieden werden.”

Die Operationsmethoden

Es gibt vielfältige Methoden für eine Kreuzbandriss-OP beim Hund, darunter fallen:

  • Raffung der Gelenkkapsel
  • Bandersatz des Kreuzbandes: Hier wird versucht, das gerissene Kreuzband durch ein synthetisches Band zu ersetzen. War bisher nur bei kleinen, leichten Hunden möglich, seit einigen Jahren gibt es ein neues Verfahren (VetLig) das es auch bei größeren und schwereren Hunden zulässt, der Bandersatz wird am Knochen des Ober und Unterschenkels befestigt, Fehlstellungen der Hintergliedmaße können unter Umständen den Kreuzbandriss begünstigen.
  • Tibial Plateau Leveling Osteotomy (TPLO): Bei dieser Operationstechnik wird die Biomechanik des Gelenkes verändert, sodass das Kreuzband nicht mehr ersetzt werden muss.
  • Tibial Tuberosity Advancement (TTA): Die TTA ähnelt der TPLO, hierbei wird jedoch der Knochen des Unterschenkels mit Hilfe eines Implantats verändert, sodass die Zugkräfte nach der Operation anders wirken.

Welche Operationstechnik die richtige für deine Fellnase ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – unter anderem vom Gewicht und der Größe deines Hundes.

Wie hoch sind die Kreuzbandriss-OP-Kosten bei einem Hund?

Die Kosten für diesen operativen Eingriff liegen im vierstelligen Bereich – je nach angewandtem Verfahren und Ausgangslage. Damit dich eine solche Diagnose nicht in finanzielle Sorgen stürzt, ist eine Hunde-OP-Versicherung empfehlenswert.

Was ist nach der OP zu beachten?

Um die Heilungsdauer nach der OP zu beschleunigen, sollte die Mobilität und die Muskulatur deines Lieblings erhalten und schnellstmöglich mit einer Physiotherapie begonnen werden. Wann mit der Therapie begonnen wird und welche Übungen bzw. Bewegungen sinnvoll sind, ist abhängig von der Operationsmethode und sollte mit deinem Tierarzt besprochen werden. Auch Schmerzmittel und Knorpelaufbaupräparate werden anfangs bei der Nachsorge verabreicht. Zudem ist es wichtig, dass du das Körpergewicht deines Lieblings regelmäßig kontrollierst, damit der Heilungsprozess erfolgreich verläuft.

Kreuzbandriss-OP beim Hund: Ja oder Nein?

Es gibt aber auch Argumente, die eventuell gegen eine Operation sprechen könnten, wie

  • das Alter und
  • die Gesundheit deines Hundes,

vor allem wenn dieser nicht narkosefähig ist.

Ob und wann ein Hund operiert wird, solltest du daher sorgfältig mit deinem Tierarzt abwägen. In der Praxis kann man dir alle wichtigen Informationen zum Zustand deines Vierbeiners geben und dir die in Frage kommenden Behandlungsmethoden erklären.

Gibt es Alternativen zur Operation?

Manche Hundehalter befürchten bei einer Ruptur das Schlimmste und fragen sich, ob sie ihren Hund mit Kreuzbandriss einschläfern müssen. Das ist nur in seltenen Fällen eine wirkliche Option.

Eine OP ist in der Regel immer erforderlich und nur wenn gesundheitliche Probleme dagegensprechen sollte eine konservative Heilung in Erwägung gezogen werden.

Dazu zählen beispielsweise:

  • strenge Schonung über mehrere Wochen (mindestens 4-6 Wochen) zur Entlastung der betroffenen Gliedmaße, Leinenpflicht auch im Garten! Kein Springen, Spielen, Toben, auch nicht allein.
  • orthopädische Unterstützung
  • unterstützende Medikamente, auch gegen Schmerzen
  • Physiotherapie, um die Muskeln zu stärken

Die Wahrscheinlichkeit, dass als Folge dieser Therapie ohne chirurgischen Eingriff eine schmerzhafte Arthrose fortschreitet, ist jedoch sehr hoch.

Kreuzbandriss beim Hund vorbeugen – 3 Tipps

Um deinem pelzigen Freund einen Kreuzbandriss zu ersparen, ist Prävention der Schlüssel. Es gibt auch eine allgemeine Bindegewebsschwäche (z,B. bei Labrador Retriver, Berner Sennenhund, etc.) hier sind alle Gelenke über das normale Maß beweglich aber die Hunde haben keine Schmerzen. Ein positiver Schubladentest kann beidseits vorliegen. Hier hilft gezieltes Muskelaufbautraining zur Stabilisierung der Gelenke. Die Gefahr eines Kreuzbandrisses ist hier gegeben. Die Bindegewebsschwäche kann unter anderem durch einseitige Fütterung (reine Fleischfütterung oder ähnl.) ausgelöst werden. Ein falsches Calzium/Phosphorverhältnis oder eine falsche Versorgung mit Vitamin A, Kupfer und Jod können auch ein Grund sein.

Zur Prophylaxe hat Julia folgende Tipps:

  1. Muskulatur stärken: Eine gute Muskulatur ist ein wichtiger Schutzfaktor für die Gelenke. Durch regelmäßige Bewegung und gezieltes Training kannst du die Muskulatur stärken und das Kniegelenk unterstützen.
  2. Gewichtsmanagement: Übergewicht belastet nicht nur die Gelenke, sondern erhöht auch das Risiko für Verletzungen wie Kreuzbandrisse. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung helfen dabei, das Idealgewicht deines Hundes zu halten.
  3. Gesunde Bewegung: Am besten vermeidest du übermäßige Bewegungsspitzen, insbesondere exzessives Ball- und Frisbeespielen. Denn diese Aktivitäten führen zu einer plötzlichen Belastung und erhöhen das Risiko für Verletzungen.

Fazit: Ein Kreuzbandriss beim Hund ist keine einfache Angelegenheit, aber mit rechtzeitiger Diagnose, angemessener Behandlung und konsequenter Nachsorge kannst du deinem geliebten Vierbeiner helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Hatte dein Liebling schon einmal einen Kreuzbandriss? Schreib deine Erfahrungen gerne in die Kommentare!

Kommentare Für diesen Beitrag existiert noch kein Kommentar.
Kommentar schreiben