Ein Welpe liegt auf einem Hundebett und streckt die Beine aus

Horner-Syndrom bei Hunden – Rat von der Tierärztin

Vielleicht hast du es selbst schon erlebt: Du schaust deinem Hund in die Augen und bemerkst, dass ein Auge anders aussieht als das andere? Dies könnte am sogenannten “Horner-Syndrom” liegen, eine Erkrankung des Nervensystems mit unterschiedlichen Ursachen. Zusammen mit HUNTER-Tierärztin Dr. med. vet. Julia Vietmeier klären wir über die Erkrankung auf und geben Tipps, wie du damit umgehst.

Zusammenfassung

  • Das Horner-Syndrom ist eine Störung des Nervensystems, bei der die Verbindung zum Auge unterbrochen ist.
  • Typische Anzeichen sind eine kleine Pupille, ein herabhängendes Lid, ein eingesunkener Augapfel und eine vorgelagerte Nickhaut.
  • Die Heilungschancen sind oft gut, sofern die zugrunde liegende Ursache (wie etwa Entzündungen) wirksam behandelt wird.

Was ist das plötzliche Horner-Syndrom bei Hunden?

Das Horner-Syndrom (kurz auch HS genannt) ist eine Erkrankung des Nervensystems. Durch unterschiedlichste Ursachen kommt es hier zu einer Schädigung spezieller Nervenfasern, die sich durch äußere Symptome am Auge zeigt. Es kann ein- oder beidseitig am Auge auftreten, allerdings kommt die Erkrankung häufiger nur auf einem Auge vor und kann auch Katzen betreffen.

Wo liegt die Schädigung der Nerven beim Horner-Syndrom vor?

Das Ganglion cervicale craniale ist ein Nervenknoten am Hinterkopf des Hundes. Es spielt eine zentrale Rolle im sympathischen Nervensystem (auch Sympathikus genannt), in dem es Nervenverbindungen zu verschiedenen Kopfbereichen herstellt. Je nachdem, welche Anteile betroffen sind und ob die Schädigung vor oder nach diesem Punkt liegt, wird das Horner-Syndrom aufgeteilt:

1. Zentrales Horner-Syndrom (1. Ordnung) 

  • Hier sind das Gehirn (Hirnstamm) oder der vordere Teil des Rückenmarks (Hals- und Brustwirbelsäule) betroffen. 

2. Peripheres Horner-Syndrom

  • Präganglionäres HS (2. Ordnung): Hierbei liegt die Schädigung vor dem Nervenknoten und betrifft den Bereich des Brustkorbs, des Halses oder das Nervengeflecht der Vorderbeine (Plexus brachialis).
  • Postganglionäres HS (3. Ordnung): Bei einem postganglionären Horner-Syndrom ist nach dem Nervenknoten eine Schädigung vorhanden. Betroffen sind die Nerven, die vom Schaltpunkt am oberen Hals bis direkt zum Auge führen. 

Je nachdem, an welchem Abschnitt des Nervensystems die Schädigung vorliegt, zeigt dein Vierbeiner andere Symptome. 

Symptome vom Horner-Syndrom bei Hunden

Bei dem Horner-Syndrom ist die neurologische Versorgung (Innervation) des Auges gestört und das führt zu typischen Symptomen beim Hund. Diese finden sich alle ein- oder beidseitig am Auge des Hundes:

  • verengte Pupille: Die Pupille wird kleiner und kann sich nicht mehr erweitern (medizinisch: Miosis). Das lässt sich am besten bei wenig Lichteinfall begutachten, da sich hier normalerweise die Pupille erweitern würde. Sind beide Augen betroffen, kann ein Erkennen schwierig sein.
  • herabhängendes oberes Augenlid (Ptosis)
  • in die Augenhöhle eingesunkener Augapfel (Enophthalmus): Hier sieht das Auge vermeintlich kleiner aus, da es weiter zurückliegt. Das liegt daran, dass sich die Muskulatur des Auges unter der Erkrankung entspannt, da sie von den Nervenbahnen nicht mehr genügend angesprochen wird.
  • sichtbares, drittes Augenlid (Nickhautvorfall)
  • eine Rötung im Bereich der Bindehaut und der umliegenden Haut des Auges: Dies wird seltener beobachtet und entsteht durch erweiterte Blutgefäße in diesem Bereich.
  • Auch ein vermehrter Tränenfluss kann in manchen Fällen auftreten.

Abhängig von der Grunderkrankung können noch andere Symptome auftreten, die dann mit der primären Ursache zusammenhängen. Ein Horner-Syndrom ohne weitere, erkennbare Ursache (medizinisch idiopathisches Horner-Syndrom genannt) löst in der Regel keine Schmerzen beim Hund aus. Allerdings können Schmerzen, im Zuge der unterschiedlich zugrundeliegenden Grunderkrankungen, durchaus möglich sein.

Wichtig zu wissen: Das Sehvermögen oder innere Strukturen wie die Linse oder die Hornhaut sind meist nicht direkt geschädigt, solange keine weitere Augenerkrankung vorliegt.

Was ist ein Nickhautvorfall beim Hund?

Bei einem Nickhautvorfall rutscht das dritte Augenlid des Hundes, die Nickhaut, nach vorne über das Auge. Das Augenlid "antwortet" nicht auf Signale des Nervensystems, dadurch verliert es die Spannung und schiebt sich nach vorne. Durch den eingesunkenen Augapfel wird dieses Symptom noch verstärkt.

Ist das Horner-Syndrom gefährlich oder sogar tödlich?

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier: 

„In der Regel ist ein Horner-Syndrom nicht schlimm und heilt je nach Ursache oft von selbst wieder ab. Trotzdem ist es für uns Tierärzte ein wichtiges Warnsignal, weil es auf eine Störung entlang der Nervenbahnen zum Auge hinweist. Wenn zusätzlich neurologische Symptome oder Schmerzen auftreten, muss aber zügig weiter untersucht werden, um die Ursache zu finden.“

Verlauf des Horner-Syndroms bei Hunden

Das Horner-Syndrom tritt meistens spontan auf. Du bemerkst es beim Blick ins Hundegesicht deines Vierbeiners. Da ca. 50 % aller Horner-Syndrome ohne erkennbare Ursache (idiopathisch) auftreten, kann es oft ohne weitere Therapie ausheilen. Die Rückbildung kann aber einige Monate dauern. 

Treten allerdings weitere Symptome auf, kann das den Krankheitsverlauf verkomplizieren. Dann hängt die Heilung von der zugrundeliegenden Ursache ab.

Diagnose: So testet die Tierarztpraxis aufs Horner-Syndrom

Bei einem Horner-Syndrom ist das klinische Erscheinungsbild mit seinen typischen Anzeichen ein relativ deutlicher Hinweis. Bei

  • einer Verengung der Pupille,
  • herabhängendem Oberlid und
  • eingesunkenem Augapfel 

solltest du mit deinem Hund zur Tierarztpraxis gehen. Dort wird als erstes eine allgemeine und neurologische Untersuchung durchgeführt, um erste Rückschlüsse zur Lokalisation ziehen zu können.

Mit einem Test lässt sich die Schädigung lokalisieren

Ergänzend zu einer Augenuntersuchung kann in der Praxis auch mit einem speziellen Test versucht werden, eine Unterscheidung des Horner-Syndroms (nach 1./2. oder 3. Ordnung) vorzunehmen: 

  • Dazu werden Augentropfen mit einem Medikament (z. B. Phenylephrin) in beide Augen getropft.
  • Dann wird die Zeit gemessen, bis wann sich die Pupille wieder weit stellt (Mydriasis).
  • Anhand der Zeitspanne kann festgestellt werden, wo die Nervenschädigung vorliegt. 

Auch zusätzlich auftretende Symptome können einen Hinweis auf die Lokalisation geben. Manchmal werden weiterführende Untersuchungen vorgenommen, z. B. 

  • eine Untersuchung des Ohres (Otoskopie),
  • eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels und der Hals-/ Brustwirbelsäule oder
  • eine Röntgen- und Computertomografie (CT).

Ursachen des Horner-Syndroms: Warum ist mein Hund betroffen?

Tatsächlich lässt sich bei etwa der Hälfte aller betroffenen Hunde keine konkrete Ursache feststellen.* Diese Art des Horner-Syndroms kommt oft rassebedingt bei männlichen 

Weitere Ursachen für ein Horner-Syndrom können sein:

  • Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule oder der vorderen Brustwirbelsäule z. B. durch Unfälle
  • Bandscheibenvorfälle im oben genannten Bereich der Wirbelsäule
  • Schädigungen eines Nervengeflechtes im Vorderbein (Plexus brachialis)
  • heftiger Zug am Halsband
  • entzündliche Prozesse im Halsbereich oder nach schweren Infekten
  • Mittelohr-Erkrankungen (z. B. eine Mittelohrentzündung)
  • Schädelfrakturen (Schädelbruch)
  • Tumore im Bereich des Nervenverlaufes
  • Schilddrüsenunterfunktion
     

*Quelle: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Baumgärtner W, Gruber A, Hrsg. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

Behandlung des Horner-Syndroms: Was kann ich tun?

Wie deinem Liebling am besten geholfen werden kann, hängt von der Ursache ab. Deshalb ist die richtige Diagnostik besonders wichtig, um eine erfolgreiche Therapie einzuleiten. 

Zur symptomatischen Behandlung des Horner-Syndroms kann beispielsweise gehören:

  • Augentropfen mit dem Inhaltsstoff Phenylephrinhydrochlorid: Dieser lässt die Symptome in der Regel schnell verschwinden.
  • Entzündungshemmende Medikamente (z. B. Glukokortikoide) helfen dabei, Entzündungen im Körper zu regulieren.
  • Vitaminpräparate mit Vitamin-B-Komplex als Futterergänzung unterstützen die Regeneration der Nerven.
  • Auch Akupunktur wird als hilfreich beschrieben.
  • Manuelle Therapie wie veterinärmedizinische Chiropraktik und Physiotherapie können ebenso helfen.

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier:

„In meiner täglichen Praxis sehe ich das Horner-Syndrom eher selten. Wenn es auftritt, wirkt es auf Besitzer meist sehr beunruhigend. In vielen Fällen ist es aber nicht gefährlich. Häufig liegen behandelbare Ursachen zugrunde, zum Beispiel eine Mittelohrerkrankung oder ein Trauma in der Halswirbelsäule, aber es kommt auch vor, dass man keine Ursache erkennen kann. Wichtig ist, das Syndrom ernst zu nehmen und die Ursachen gezielt abzuklären, auch wenn sich viele Fälle mit der Zeit von selbst zurückbilden.“

Wie lange dauert das Horner-Syndrom an?

Nach dem Abklingen der ursächlichen Erkrankung erfolgt in vielen Fällen nach 3–5 Wochen eine Spontanheilung. Die Prognose und der Verlauf der Erkrankung ist also immer auch abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Ist dein Hund betroffen, rechne damit, dass es auch 24–30 Wochen dauern kann, bis alles abgeklungen ist.

Fazit: Es passiert ganz plötzlich, dass du deinem Liebling in die Augen schaust und merkst: “Hier stimmt etwas nicht!”. Entdeckst du dann die Kombination aus den typischen Symptomen, liegt es nahe, dass dein Hund am Horner-Syndrom erkrankt ist. Sind euch solche Veränderungen an eurem Vierbeiner schon einmal aufgefallen? Wie seid ihr mit der Erkrankung umgegangen? Schreib es uns gern in die Kommentare!

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier

ist promovierte Fachtierärztin und setzt in ihrer Praxis auf Chiropraktik und Akupunktur. 
Sie legt großen Wert auf die ganzheitliche Behandlung ihrer vierbeinigen Patienten.

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